Memorandum zum Museum der Stadt Ratingen
Wenn man davon ausgeht, dass Kultur die Gesamtheit der geistigen Leistungen und Werte-Einstellungen innerhalb der menschlichen Gesellschaft darstellt und Kunst als schöpferisch gestaltete Umsetzung von Erfahrungsinhalten, als ästhetische Sinndeutung von Leben und Welt begriffen wird, besteht die Aufgabe eines Museums in der Bewahrung und Veranschaulichung dieser geistigen Potentiale.
Kultur hat ihre eigene Autonomie und die verschiedensten, aus Ge-schichte, Tradition, Sitte und Sprache stammenden, unverwechselbaren Gestalten und Gestaltungen. Da darf es keine Zäune geben, sondern vor allem den unbeschränkten, freien Austausch von Ideen, Meinungen und Entscheidungen. Dies bedeutet vor allem Engagement, Auseinandersetzung und intensive Arbeit.
Zu den wichtigsten - und vornehmsten - Aufgaben eines Museums zählen die Erhaltung, Restaurierung und Konservierung der Sammlung, und - sofern es sie noch nicht gibt - eine solche sinnvoll auf- und auszubauen, ferner die wissenschaftliche und didaktische Erschließung der Werke und die Dokumentation zeitgenössischen Kunstschaffens. Dies geschieht durch öffentlichkeitswirksame, verständliche Präsentation der Sammlung und durch die Erarbeitung von Ausstellungen, die geeignet sind, die Aura des Sammlungsbestandes sinnvoll zu ergänzen, zu erweitern oder zu polarisieren. Hierbei ist die Wahrung und womöglich Steigerung professioneller Standards, wie sie beispielsweise in den »Ethischen Richtlinien für Museen« des ICOM (International Council of Museums) dargelegt sind, selbstverständlich. Die Verwaltung der Kommunen (Kulturdezernate, Kulturämter) haben in diesem Zusammenhang vor allem die Aufgabe, diese Ziele des Museums als Bildungsstätte zu unterstützen, zu untermauern und - ihrem Bildungsauftrag entsprechend - auch finanziell zu unterhalten.
Bei diesen Aufgaben sind Fördervereine als freiwillige Bürgerinitiativen vielfältig hilfreich und stehen Museen und Verwaltung mit Rat und Tat zur Seite. In einer Zeit, in der die öffentlichen Kassen für Kunst und Kultur nicht leicht zu öffnen sind, sondern - bedauerlicherweise - meist hier zuerst der Rotstift angesetzt wird, zählt dieses verantwortungsbewusste persönliche Engagement doppelt. Aber: Die Außenwirkung von Museum und Förderverein kann nur so gut sein, wie der Inhalt des Museums selbst. Im Klartext: Das »Produkt Museum« muss in sich stimmig sein, um damit erfolgreich in der Öffentlichkeit werben und bestehen zu können.
Dies impliziert: Sammlungen, Ausstellungen, didaktisches Angebot und ergänzendes Programm müssen qualitativ aufeinander abgestimmt und ästhetisch ansprechend präsentiert und aufgearbeitet werden. Museum ist auch ein Standort von Dienstleistung, der geeignet ist, alle Besucher gleichermaßen auf einem höheren Niveau anzusprechen. Ein Museum, das diesen Namen verdient, wird Besuchern aller Gesellschaftsschichten und Altersgruppen einen Ort bieten, der - jenseits unterfordernder Kommentare, angeblich kinder- und jugendfreundlicher Farbschlachten, Plastilingefechte, weiterer »Tobereien« und wertlosen Tands als Angebot im Museumsshop - ein Ort der geistigen Auseinandersetzung ist und sein kann. Ein Museum ist ein Ort der aktiven aber auch kontemplativen Begegnung mit Kunst, der Freude an der Kunst vermitteln, gleichzeitig aber auch Erkenntnis durch profunde und kompetente Belehrung ermöglichen soll.
In diesem Zusammenhang sei neben der wissenschaftlichen Vermittlung der Inhalte auf die Bedeutung eines fundierten museumspädagogischen Konzeptes als kontinuierliches Angebot hingewiesen, das geeignet ist, auch die Jugend über die Schule hinaus in ihrer Freizeit an Kunst und Kultur heranzuführen. Zur Vermittlung der Museumstätigkeit ist weiterhin eine intensive Öffentlichkeitsarbeit notwendig. Zerstreuung gibt es in unserer Gesellschaft schon genug. Es wäre an der Zeit, Impulse zu geben, die geeignet sind, sich endlich wieder mehr zu sammeln, verstärkt nachzudenken und durch geistige Anstrengung und Gedankenaustausch Freude, Freunde und Inhalte zu finden. Denn es kann in unserer Gesellschaft nicht nur um den wirtschaftlichen Erfolg und die bessere technische Beherrschung unserer Welt, nicht nur um Zeitvertreib, Events und unterhaltsames Geplänkel gehen, sondern es muss mehr noch auf Phantasie, Visionen, ästhetische Erlebniswelten und geistige Erkenntnis geachtet werden, wenn unsere Zukunft und die unserer Nachkommen sinnvoll erfüllt und geprägt werden soll.
Das Ratinger Museum der Stadt ist ein pragmatisch erbautes Haus, das zwar nicht in allen Teilen mit den Standards anderer Häuser verglichen werden kann (Klima, Beleuchtung), aber verkehrsgünstig liegt und über Räume verfügt, die - bei geschickter Ausnutzung - praktikabel sind. Es enthält Bereiche, deren Wirkung sich bei Verzicht hier, Umwidmung da, Ausbau dort und einer generellen Straffung sowohl hinsichtlich der Sammlung als auch einer linearer ausgelegten Ausstellungswahl erheblich steigern ließe. Die Anhebung des Niveaus der Angebote des Museumsshops, eine größere Auswahl von Kunstbüchern, Replikaten etc. ergibt sich bei einer solchen Ausrichtung wie von selbst. Das Museumscafé sollte ein selbständig geführter, zusätzlich nach außen geöffneter solitärer Bereich sein mit andauernd einbezogener und wechselnder Kunst als Eintrittsschwelle für das allgemeine Publikum.
Die Freunde und Förderer des Museums der Stadt Ratingen haben - vor allem im Hinblick auf die geschilderte Gesamtsituation - aktuell nicht die Möglichkeit, zusätzlich zu den bisherigen Aufgaben weitere praktische Verantwortung im Servicebereich in Permanenz zu übernehmen. Dies kann nur im Falle einer vollkommenen Neuorientierung überdacht werden. Wenn über personelle Einsparungen nachgedacht wird, so kann dies nicht ausgerechnet im Servicebereich sein, zumal der zur Zeit angebotene Service ein Minimum des üblichen Standards abdeckt. Dies betrifft vor allem die Öffnungszeiten, die nun nicht schon wieder »abgespeckt« werden sollten, dies betrifft die notwendige Aufsicht und schließlich den Museumsshop, von dessen Angeboten schon die Rede war. Auch eine Kasse wird immer geführt werden müssen, ob nun Eintritt erhoben wird oder nicht. Wenn über personelle Einsparungen nachgedacht wird, so kann dies nicht ausgerechnet im Servicebereich sein, zumal der zur Zeit angebotene Service ein Minimum des üblichen Standards abdeckt. Dies betrifft vor allem die Öffnungszeiten, die nun nicht schon wieder »abgespeckt« werden sollten, dies betrifft die notwendige Aufsicht und schließlich den Museumsshop, von dessen Angeboten schon die Rede war. Auch eine Kasse wird immer geführt werden müssen, ob nun Eintritt erhoben wird oder nicht.
Aufgabe der Freunde und Förderer ist es, Programm und Sammlung zu unterstützen und zu ergänzen, das Ausstellungswesen zu bereichern und beratende Impulse zu geben, das heißt, in kooperativer Gemeinsamkeit die Position des Hauses als kulturell und künstlerisch notwendigen Sammelpunkt auszubauen und über die Grenzen der Stadt hinaus wirksam zu stärken. In der Vergangenheit haben die Freunde und Förderer des Museums hierzu schon vielfältige Anregungen und Anstöße gegeben, nicht zuletzt mit der neuen Ausstellungsreihe »Sammeln als Diskurs«, die beispiels-weise - um die Sammlungsbestände des Hauses auszubauen - geeignet wäre, unter noch zu prüfenden Umständen, Sammler auf Dauer an das Haus zu binden. Geeignete Kontakte und Verbindungen sind vorhanden. Nur müssen auch wirklich ernsthafte Absichten und die Bereitschaft seitens der Stadt bestehen, sinnvolle Vorschläge zu einem für alle Beteiligten befriedigenden Ergebnis zum Wohle der Bürger anzupacken und auszuhandeln. Dies gilt im übrigen auch für die immer wieder angedachte dauerhafte Präsenz eines größeren Werkblockes von Peter Brüning im Museum.
Die Freunde und Förderer bieten »Know-how« und ihre Mithilfe an, über zukunftsträchtige Lösungen, die Entwicklung des Museums betreffend, in aller Offenheit zu diskutieren und nachzudenken. Dabei sollte - um der Sache willen - auch vor »heiligen Kühen« nicht haltgemacht werden. Der engere Vorstand der Freunde und Förderer ist der Ansicht, dass es dem Museum in seiner jetzigen Konstellation an Entschiedenheit fehlt, wirkliche Schwerpunkte zu setzen. Es muss etwas geschehen, und das auf Expertenebene. Sparen tut not, aber nicht am falschen Ende. Die in der Vergangenheit für Unterhalt und - auch von den Freunden und Förderern - für die Betreibung des Museums aufgewendeten Mittel sollten nicht umsonst ausgegeben worden sein.
Dr. Marie-Luise Otten
Vorsitzende
Januar 2006
Gespräch mit dem Sammler
am Samstag, 6.05.2006