Manfred Müller - Echo

Eröffnung am Sonntag, 11. Januar 2004, 11:30 Uhr

Museum der Stadt Ratingen, Peter-Brüning-Platz 1, Eingang Grabenstraße 21, 40878 Ratingen

Begrüßung und Eröffnung:

  • Der Bürgermeister der Stadt Ratingen
  • Dr. Marie-Luise Otten, Vorsitzende Freunde und Förderer des Museums der Stadt Ratingen
  • Dr. Kurt Behrends, Düsseldorf

Zur Ausstellung erscheinen ein Katalog und ein Plakat.

Das Ausstellungsprojekt findet in Kooperation mit dem Kunstverein Münsterland, Coesfeld statt.

Ausstellung vom 11.01. bis 22.02.2004

Ausstellung und Katalog wurden gefördert von der Kulturstiftung der Deutschen Bank.

 

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, lieber Manfred Müller, meine sehr geehrten Damen und Herren,

schön, dass Sie heute morgen so zahlreich erschienen sind und Ihnen, Herr Bürgermeister, herzlichen Dank für die schönen Blumen und die Elogen. Lob ist ja allgemein beliebt und für alle Beteiligten angenehm. Und ausnahmsweise nehme ich dies auch dankend an.

Denn in der Tat ist unsere mäzenatische Tätigkeit im Dienste der Kunst nicht selbstverständlich und man kann es offenbar nicht laut genug sagen: für einen erst seit 1991 bestehenden Verein mit knapp 100 Mitgliedern sind unsere Aktivitäten zugunsten der kulturell interessierten Öffentlichkeit Anstrengungen, die mit großem Engagement aber auch mit Sinn für Verantwortung unternommen werden. In einer Zeit heftig zupackender Rotstifte, in der üblicherweise zuerst Kulturetats zusammengestrichen oder nach dem Gießkannenprinzip verteilt werden, in einer Zeit, in der die öffentlichen Kassen für kulturelle Dinge kaum noch und schon gar nicht leicht zu öffnen sind, zählen verantwortungsbewußtes privates und persönliches Engagement doppelt.

Es wäre mir allerdings lieber, wenn diesbezügliche Sonntagsreden in der Schublade blieben und stattdessen eine differenziertere Behandlung der Probleme an ihre Stelle träte. Keine Frage: Kunst und Kultur werden bei uns weiterhin abhängig sein von der Arbeit und der Förderung der zuständigen öffentlichen Träger, denn es kann nicht erlaubt sein, diese Zuständigkeit da und dort mit lässiger Nonchalance beiseite zu schieben oder gar insgesamt zu vermindern. 

Dennoch bleiben Privatinitiativen mit ungebrochenem Einsatz von Phantasie, Kreativität und Kompetenz gefragt und sollten in ihrem Anspruch für die geistige Existenz der Öffentlichkeit auch als solche beachtet, bewertet, und respektiert werden. Unsere Kulturlandschaft ist keine vom Staat gelenkte und geordnete Landschaft, sondern ist gewachsen aus den Ideen von begabten Bürgerinnen und Bürgern und den finanziellen und organisatorischen Zuwendungen der großen oder kleinen Städte und Gemeinden, aber auch aus den Initiativen von Privatleuten, Organisationen, Vereinen und  Unternehmen.

In diesem Sinne sind wir nach dem Prinzip des public-private-partnership Partner dieser Stadt und damit Partner dieses Hauses am Peter-Brüning-Platz, das von Frau Dr. UrsulaMildner geleitet wird. Der Verein der Freunde und Förderer des Museums der Stadt Ratingen, der sich als private Initiative neben der allgemeinen Förderung des Museums hier in Ratingen seit mehr als zehn Jahren im besonderen mit der Entwicklung und Durchführung von Ausstellungen zur Kunst nach 1945 befasst, freut sich daher sehr, daß er nach dem großen Erfolg mit der »Gruppe 53« mit der heutigen Ausstellung wieder ein langgehegtes Projekt verwirklichen konnte, mit dem ein so überdurchschnittlich bemerkenswerter Künstler wie Manfred Müller über die Region hinaus wirkende Maßstäbe zu setzen imstande ist. 

Manfred Müller hat, nach einer Ausbildung als Graphik-Designer, an der Kunstakademie in Düsseldorf bei Erwin Heerich studiert, wurde dort Meisterschüler, war Stipendiat des Landes Nordrhein-Westfalen und ist Förderpreisträger der Stadt Düsseldorf für Bildende Kunst. Er lebt heute vorwiegend in Santa Monica/Californien. Dort auch entstehen die meisten seiner Werke.

Die Freunde und Förderer des Museums der Stadt Ratingen haben zusammen mit Manfred Müller und in Kooperation mit dem Kunstverein Münsterland in Coesfeld ein Ausstellungskonzept erarbeitet, das die Werkgruppen der letzten 15 Schaffensjahre - nicht als Retrospektive, sondern als Klärung seiner neuen künstlerischen Position, in einer auf die jeweilige Raumsituation der beiden Häuser zugeschnittenen Inszenierung zeigen soll. 

Im Werk von Manfred Müller sind, ausgehend von seinen Skulptureninstallationen und Inszenierungen in den letzten Jahren und auch parallel dazu, zahlreiche Zeichnungen, Fotos und Collagen entstanden, die - gleich einem Echo - eine Schlüsselposition in seinem Schaffensprozess einnehmen. Hierbei scheinen einzelne Werkgruppen sich über Jahre hinweg kontinuierlich zu erweitern. Sie weisen auf verschiedene Ausdrucksbereiche, die alle ausgerichtet sind auf eine klare, konsequent und entschieden vorgetragene Formulierung des skulpturalen Handelns, wie Müller es nennt.

Dieses skulpturale Handeln entsteht mehr und mehr in der Balance zwischen einer strengen, konzeptualen Gradlinigkeit und persönlich geprägten, körperhaften Bezügen, die trotz der konstruktiven Strenge etwas spürbar Sinnliches vermitteln. Bei aller vom Objekt selbst hervorgerufenen Sinnbestimmung jedoch, beispielsweise bei seinen dreidimensionalen "Kartonkörpern", die er auch "Mantel" nennt, und die schon dadurch gewisse Assoziationen implizieren, bei aller möglichen Vorabdeutung also, geht Manfred Müller davon aus, dass er ein abstraktes Zeichen setzt. Hinter der Illusion des Mantels steckt

Für Müller auch ein skulpturales, architektonisches Phänomen. Ein Mantel oder eine Schutzhülle können für ihn auch ein Raum oder eine Mauer, oder etwas anderes sein. Sein Ziel ist es, die Körperlichkeit der Dinge zu klären und in der geforderten Räumlichkeit zu präsentieren. Hier ist der Ort, an dem Manfred Müller formal und mental steht. Hier erwächst das Vokabular, mit dem er auf die Fragen der Zeit und des Seins überhaupt zu antworten sucht. Hier auch findet sich die geistige Substanz, die das Schaffen Manfred Müllers über die eigene Person hinaushebt, sie aber zugleich intensiv mit einbezieht. Ähnlich verhält es sich mit seinen überarbeiteten Fotos von Skulpturinstallationen, deren räumliche Wirkung durch Bearbeitung mit Farbe vielfältig modifiziert wird. 

Auch das Licht an der Westküste von Amerika spielt, raumbildend, in seiner Spiritualität eine weitere, neue Rolle in den Werken und taucht wiederholt in verschiedenen Kontexten auf, hier beispielsweise "Twilight and Yearning" unter dem Pier von Santa Monica. Ganz generell beschreibt die Werkgruppe der überarbeiteten Fotos seinen Schaffensprozess sehr klar. Deren Motive werden Müller scheinbar zufällig als eine Art "Objet trouvé" zuteil und fordern ihn, wie "Erinnerungsspuren" eingesetzt, offenbar zu seinem "skulpturalen Handeln" heraus. Sie geben Einblick in die künstlerische Intention seiner Werke, die, wie alle Kunst, zugleich Sinnzeichen des Lebens sind.

Seit Jahren hat der Verein der Freunde und Förderer mit seinen Jahresgaben Beispiele der in verschiedenen Werkphasen entstandenen Arbeiten von Manfred Müller herausgebracht. Parallel dazu reifte der Entschluss, mit ihm gemeinsam ein Ausstellungsprojekt zu erarbeiten, das diese Werkgruppen intensiver und zusätzlich bereichert durch neue Arbeiten und eine neue Installation zeigen sollte. Bedingt durch einen Autounfall vor einigen Jahren, als dessen tragische Folge er seinen linken Unterarm verlor, hat sich dieses Vorhaben immer wieder verschoben. Heute sind wir froh, dass wir dieses Unternehmen gemeinsam mit ihm realisieren konnten.

Bevor ich das Wort an unseren Redner, den mit der Kunst Manfred Müllers eng Vertrauten, Dr. Kurt Behrends, weitergebe, möchte ich im Namen des Vorstands der Freunde und Förderer des Museums der Stadt Ratingen allen sehr herzlich danken, die am Zustandekommen von Katalog und Ausstellung beteiligt waren, insbesondere dem Künstler selbst, der mit seiner schier unglaublichen Präsenz uns alle hier in den letzten Wochen und Tagen in Atem gehalten hat und uns - im positiven Sinne - aufregende Stunden bereitete. Dank gebührt ebenso herzlich den Leihgebern, Annette und Dr. Burkhard Richter, sowie meinem Kollegen Dr. Uwe Schramm vom Kunstverein Münsterland in Coesfeld für die inzwischen schon bewährte gute Zusammenarbeit.

Plakat und Katalog, den sie für preiswerte 10 Euro an der Kasse erwerben können, hat die Graphik-Designerin Brigitte Marx gestaltet. Auch Ihr und den vielen Helfern, die ideel, materiell und mit Rat und Tat zum Gelingen des Projektes beigetragen haben, gilt unser herzlicher Dank. Dank gesagt werden soll an dieser Stelle aber auch allen anderen an der Umsetzung der Ausstellung beteiligten Helfern: für den Aufbau hier im Museum dem Team Hans Litfin, Georg Palm und Uwe Eiche. Ausstellung und Katalog wurden gefördert von der Kulturstiftung der Deutschen Bank, hier begrüße ich meinen Vorstandskollegen, unseren Schatzmeister, Herrn Helmut Brenner, von der Deutschen Bank sehr herzlich. 

Herr Doktor Behrends, jetzt haben sie das Wort und nehmen auch Sie im Voraus unseren Dank.

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