Eröffnung der Ausstellung am Freitag, Museum der Stadt Ratingen, Peter-Brüning- Es sprechen:
Ausstellung vom 03.05.2002 bis 16.06.2002 Zur Ausstellung erscheinen ein Katalog und ein Plakat. | |
Michael Growe - Zikkurat Die Freunde und Förderer zeigen vom 3. Mai bis zum 16. Juni 2002 eine Ausstellung mit Bildern und skulpturalen Arbeiten von Michael Growe. Zur Ausstellung, die in bewährter Zusammenarbeit mit dem Kunstverein Münsterland (man erinnere sich an unsere gemeinsame Ausstellung: Werner Berges, 2000), der Pfalzgalerie Kaiserslautern und dem Stadtmuseum Beckum, erarbeitet wurde und von Station zu Station unterschiedliche Schwerpunkte setzt, sind ein Plakat und ein schönes Katalogbuch erschienen, das zum erschwinglichen Preis von EUR 16,- zu erwerben ist. Der 1960 in Warburg geborene Künstler studierte an der Kunstakademie Düsseldorf bei den Professoren Gotthard Graubner und Erwin Heerich. Seit 1996 arbeitet Growe auf der Raketenstation Hombroich und lebt in Köln und Basel. Das Werk von Michael Growe formuliert im Hinblick auf die anhaltende Diskussion um den Standort und die Bedeutung von Malerei einen gewichtigen Beitrag. Von zentralem Interesse ist für Growe die raumbildende Kraft der Farbe und ihre Fähigkeit, eine körperhafte Wirkungsintensität zu entwickeln. Dabei will er das Bewußtsein des Betrachters für die Erscheinungsvielfalt von Malerei zu schärfen. Auf Tafelbildern, bemalten Skulpturen und benutzbaren Möbel-Stücken entwickelt der Künstler ein originäres Ausdrucksvokabular, das der Farbe zu einer einzigartigen sinnlichen Präsenz verhilft. Seine Malerei vollzieht dabei den folgenreichen Schritt von der Wand in den Raum, von der einstmaligen Bindung der Farbe an die Fläche hin zu ihrer voluminösen Entfaltung im Raum. Sie zielt im wesentlichen auf die Schaffung eines durch Farbe entstehenden, sich im zeitlich bedingten Prozeß der Wahrnehmung bildenden Körpers, der frei im Raum plaziert, eine eigenständige Identität besitzt und sich dem Betrachter als plastisches Gegenüber in den Weg drängt, um mit ihm in einen spannungsreichen Dialog einzutreten. Growes Bilder und Farbkörper machen Räumlichkeit auf besondere Art erfahrbar. In ihrem Kern verbirgt sich eine existentielle Grunderfahrung, die sich dem Betrachter über den Weg der sinnlichen Erkenntnis mitteilt und aus der heraus sich die Wirklichkeit in einem neuen Licht darbietet. Der gewählte Titel des Projekts »Zikkurat« dient einerseits der Bezeichnung einer bestimmten Werkgruppe und gibt andererseits Growes Arbeit der letzten Jahre eine bildreiche Formulierung. Der Begriff Zikkurat entstammt der Architekturterminologie und bezeichnet eine Stufenpyramide. Die wohl bekannteste »Zikkurat« ist der bereits in der Bibel erwähnte Turm zu Babel, ein auf quadratischem Grundriß errichtetes Bauwerk, das mit seinem hoch aufragenden Haupt als Zeichen der menschlichen Macht und Größe den Himmel zu erreichen suchte. Sprichwörtlich wurde der babylonische Turm aber als Symbol des Scheiterns menschlicher Allmachtsansprüche. Growes Verweis auf Nebukadnezars Zikkurat zielt zum einen auf das Babylon unserer Zeit mit seiner »Globalisierung«, welche die Erde mit der Welt gleichsetzt. Zum anderen bilden sich beim Betrachten seiner Arbeiten perspektiv-räumlich anmutende Bauten, die jedoch alsbald zusammenbrechen und aus der Tiefe der farbigen Flächen wieder neu entstehen können. Durch diese Sicht der klar und sicher ins Werk gesetzten Verunsicherungen, die auch nebenbei die Bilder vor zu schneller Blick-Abfertigung schützt, zeigt sich ein gesellschafticher Aspekt: Indem der Betrachter andere, genauere und unerwartete Sehweisen entwickelt und sie auf das, was ihn täglich umgibt, überträgt, kann sich auch sein Reagieren auf diesen Alltag ändern. So gesehen befindet sich das Werk von Growe nicht im Elfenbeinturm, sondern weist über sich hinaus. Seine Malerei entwickelt ihr besondere Energie aus dem künstlerisch umgesetzten Anspruch, Fragen offen zu lassen, statt endgültige Antworten liefern zu wollen, um so den Betrachter zu einem bewußteren Erleben von Wirklichkeit zu animieren. | |