Anatol. Memento mori.Bilder, Skulpturen, Objekte und Arbeiten auf Papier und Pappe Eine Ausstellung des Vereins der Freunde und Förderer des Stadtmuseums Ratingen Eröffnung: Sonntag, 11. Juni 1995, 11.00 Uhr Der Bürgermeister der Stadt Ratingen Zur Ausstellung erscheinen ein Katalog und ein Plakat.
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Anatol - Memento Mori [...] im Frühjahr 1993 organisierte der Verein der Freunde und Förderer des Stadtmuseums Ratingen für seine Mitglieder eine Exkursion zur Museumsinsel Hombroich. Wir trafen bei dieser Gelegenheit den auf der Insel Hombroich arbeitenden Künstler Anatol, mit dem - als Ergebnis einer anregenden Begegnung - eine Ausstellung im Stadtmuseum Ratingen verabredet wurde, die von den "Freunden und Förderern" ausgerichtet werden sollte. Vorausgegangen waren Diskussionen und lange Monologe, in denen Anatol über den Frühling im allgemeinen und - auf seine eigene Jugend bezogen - im besonderen räsonierte. So wie seine erste Heimat Ostpreußen den Künstler geprägt hat, erstand nun plötzlich, wortgewaltig von ihm in Szene gesetzt und quasi als Synonym für den Frühling gebraucht, der zweite Ort seiner Jugend, Ratingen, vor unser aller Augen. Auf diese Art und Weise mit wunderbaren Geschichten vollgestopft und enthusiasmiert, wurde denn auch von der Möglichkeit eines gleichzeitigen Frühlingsfestes gesprochen. Ratingen, ein Fest für die Jugend, mit der Jugend, mit Kasperletheater von Anatol für alle und mit anderen Aktionen. Nicht ganz zwei Jahre später kamen wir in kleinerer Besetzung wieder auf die Insel, um die Ausstellung vorzubereiten und waren - wie immer bei Anatol - fasziniert und überrascht zugleich. Fünf riesige, mehr als drei Meter hohe "Wächter", die er extra für Ratingen gemacht hatte, standen überlebensgroß vor seiner Blockhütte. Gleichzeitig arbeitete er an einer Gruppe von einundzwanzig kleineren, unterlebensgroßen "Wächtern", aktuell aber an einem zweiteiligen Sarkophag, den er gerade zusammenschweißte, als wir eintrafen, auch für Ratingen, und "Memento mori" genannt. Die von Anatol, einem begnadeten Erzähler, damals spontan und locker formulierten, zunächst fragmentarisch hingeworfenen, verbalen Erinnerungsmomente an die Zeit in einem Ort seiner Jugend, waren im Laufe der Jahre auch in deren Reflexion zu künstlerisch eindringlichen, die großen Themen des Lebens betreffenden Objekten "verarbeitet", die man inhaltlich eindeutig als jenseits der Jugend liegend ansehen kann. Die bedrohlichen, alles beherrschenden, monumentalen großen "Wächter", die nichts beschützen und auch als kleinere Version, vor allem in ihrer quantitativen Massierung noch gefährlich wirken, wurden zum Leitmotiv und der an den Tod gemahnende Sarkophag "Memento mori" zum Motto der Ausstellung. Im Rahmen dieser Vorgeschichte haben wir Anatol interviewt und das mit ihm geführte Gespräch, in dem er seine künstlerischen Intentionen zu diesen beiden Werken darlegt und auch Erläuterungen zu anderen Arbeiten der Ausstellung gibt, im Katalog abgedruckt. Da sind die Bleisarkophage der "Kinder von Tschernobyl", Kreuze, gefertigt aus vorgefundenen Treibhölzern, Bilder vom Leben und Sterben Christi, montiert auf ehemalige Stalltüren und Fenster der Dörfer von Garzweiler, die der Braunkohle weichen mußten, aber auch Bilder der Zweisamkeit, von Menschenpaaren, von "Adam und Eva" als Sinnbildern von Leben und Tod, Gleichnisse von Natur, Mensch und Welt, Freude und Leid, Werden und Vergehen, verziert mit der immer wieder auftauchenden Kreuzblume als Symbol für das eigentliche Leben, das aus dem Kleinen das Große und umgekehrt schöpft. Geschichten aus Ostpreußen, aber auch aus seiner frühen Zeit in Ratingen kommen nicht zu kurz und fügen sich erzählerisch zu einem Text von großer Dichte. Der Bogen spannt sich von der Kindheit und Jugend in Ostpreußen und den Erlebnissen dort während des Krieges und danach über den Transport in einem Viehwaggon in den Westen und schließlich nach Ratingen, wo er sich, seinen Worten zufolge, zum erstenmal wieder als Mensch behandelt fühlte, bis zu seiner Rückkehr nach Polen im vergangenen Jahr, wo er bei Allenstein, im Remter der Ordensburg Rössel, seine Arbeiten zeigte. [...] | |
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